Chronik

 

 

 

 " Germania Materborn "

„Was hat eigentlich ein Karnevalsverein mit einem Radsportverein an der Mütze?“

Eigentlich nicht viel. Gut, wenn man das Theater in der Tour de France oder die Eskapaden eines müsliriegelessenden deutschen Radsportprofis betrachtet, ist das schon irgendwie lustig, aber so direkt? Gar nichts.

Das mag zwar allgemein formuliert zutreffen, diese Chronik soll jedoch beweisen, dass sich der Radsport – zumindest in einem Ausnahmefall – sehr gut mit dem Karneval verbinden lässt.

„Germania 08 Materborn“ – so hieß jener Radsportverein, der sich 1908 in Materborn gegründet hatte und seither nicht nur seine Mitglieder, sondern auch die Materborner Bevölkerung mit Kunstradvorführungen und Straßenrennen begeisterte. Der Verein präsentierte sich dabei als typischer Sportverein und wirkte so auch im Materborner Dorfleben mit – von irgendeiner  Form des karnevalistischen Treibens allerdings noch keine Spur!

Der zweite Weltkrieg führte, wie in vielen anderen Vereinen oder Gemeinschaften auch, zum zwischenzeitlichen „Aus“ der Vereinsaktivitäten. Doch schon 1947 erweckten einige ehemalige Vereinsmitglieder den Radfahrverein Germania 08 und riefen zum „Weitermachen!“ auf. Was nun genau der Auslöser war – vielleicht die aussichtslose Situation nach dem Krieg oder die Hoffnung auf bessere Zeiten – man kann es heute nicht mehr genau nachvollziehen, Tatsache ist jedoch, dass sich nach und nach immer mehr Witz und Humor im Vereinsleben ausbreiteten. Einmal infiziert, führte es dazu,dasbeimjährlichen Kamaradschaftsabend so viele Mitglieder       zum Lustigsein erschienen, dass das damalige Vereinslokal Heylen (Dey) in der heutigen Kapellenstraße schlichtweg zu klein wurde – der lachende Radfahrverein zog in den Gasthof „Reichswald“ (damals Tenhaf) um.

Durch die Art und Weise der Organisation sowie der vorgetragenen Beiträge bekamen diese Kameradschaftsabende immer mehr karnevalistische Züge – der Virus hatte zugeschlagen und war das damalige Doping für die Radfahrer. Da sich jährlich auch neue Freunde von diesen humorvollen Abenden anstecken lassen wollten, beschloss der Vorstand 1953 den Kameradschaftsabend durch eine öffentliche Karnevalsveranstaltung ersetzen zu lassen.

Das dies der Beginn eines Karnevalsvereins war, der den Radfahrverein überleben und im Jahr 2003 sein 50. Jubiläum feiern würde, konnte damals keiner ahnen: der Virus wurde unterschätzt!

 Der erste „Obernarr“, und somit Präsident der Jecken, wurde der damalige Vorsitzende und spätere Ehrenpräsident Artur Lohan.

 Artur, den als wortgewaltigen und humorvollen Menschen jedes Kind in Materborn kannte, war das, was man heute als Vollblutkarnevalisten bezeichnen würde. Dank seines grenzenlosen Optimismuses und seines beherzten Engagements wuchs in den folgenden Jahren unter seiner Führung eine Schar junger Karnevalisten heran. Bezeichnenderweise kamen diese überwiegend aus den Reihen der Kunstradfahrer.

Waren ihre Figuren so lustig oder konnte man vor Lachen kaum trainieren? Oder war es bei all den karnevalistischen Aktivitäten und Gedanken für sie eine Kunst, Rad zu fahren?

Man wird es wohl nie erfahren… 

 

Fakt jedenfalls ist, dass diese Jungs Mitte der Fünfziger Jahre, trotz Konkurrenz durch flimmernde Holzkästen, die sich „Fernseher“ schimpften und noch heute den ein oder anderen an seinen Sessel kleben lassen, das schafften, was keiner für möglich gehalten hätte: die großen „Rheinischen Abende“ (und die heißen heute noch immer so – Tradition!) im Saal des Gasthofes „Reichswald“

 waren bis auf den letzten Platz ausverkauft! Selbst aus den Privaträumen des damaligen Wirtes Felix Noy wurden sämtliche Sitzgelegenheiten – bis auf die Betten, versteht sich – benötigt und zusätzlich aufgestellt. Die Basis war geschaffen, aus dem Radfahrverein war ein Karnevalsverein – das Team Germania – geboren, der sich in der Tour de Humor etablieren sollte.

 Wie aus dem Radsport bekannt, mussten auch bei der Germania immer wieder frische Kräfte die Führungsarbeit übernehmen.

1960 übernahm Hans Heiden die Präsidentschaft und Artur Lohan wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Gleichzeitig bekam das Team einen neuen „Kapitän“: Spielleiter Karl-Heinz Wessels.

Unter seiner engagierten Regie eroberten sich viele neue Teamfahrer die Narrenbühne.

Unvergesslich die Gebrüder Willemsen, von denen Willi als unnachahmlicher Büttenredner mit seinem urwüchsigen Humor – vornehm(lich) in Kleefs Platt – jeweils mit der letzten Bütt der Sitzung das Germania-Publikum zum Toben brachten. Wenn er von seinen Erlebnissen als Gastwirt erzählte, blieb kein Auge trocken.

 Der Gesang sollte im Team Germania natürlich auch nicht zu kurz kommen. Die „4 Boys“ (Werner Gorisen, Benno Jentsch, Dieter Hohmann und Norbert Gorisen) entwickelten sich zum musikalischen Spitzenquartett, das weit und breit bekannt war.

 Ein weiterer Bütten-Profi tauchte auf: Jan Ketelaer. Er traute sich mit seinen lokalpolitischen Spitzen an so manche Bergetappe, die dazu führte, dass Werner Gorisen einmal schrieb: „Wussten Sie schon, dass Jan Ketelaer änne alde Nölpänz es, denn statt Tänd ömmer bloß denn Gemeinderoat inne Mond hät?“

 Eben dieser Werner Gorisen übernahm 1966 die Mannschaft als Spielleiter und setzte vor allem im Bereich des Musikalischen neue Maßstäbe – man mott ok senge könne! Seine einprägsamen Büttenmärsche und Walzermelodien wie z. B. Zigeunerkind, Wenn de Schwon sengt, Dein himmelblaues Röckchen, Wo Turmglocken klingen, waren jahrelang Höhepunkte jeder Prunksitzungen.

 Anfang der Siebziger Jahre gab es dann einen leichten Rückschlag für das Team Germania. Der alte – wenn man es so nennen will- „Rennstall“, der Gasthof „Reichswald“ schloss für immer seine Pforten. Der Abbruch des für viele Materborner Vereine so traditionellen Hauses machte auch für die Gesellschaft Germania einen Umzug erforderlich. Ab der Session 1972/1973 fanden die Sitzungs-Touren im Hotel Schweizerhaus statt.

In der Zeit, als die eigentlichen Radfahrer der Germania schon leider nicht mehr aktiv waren, wurde das vollzogen, was sich in den 18 Jahren zuvor schon angedeutet hatte: Die Karnevalsgesellschaft Germania war erwachsen geworden und wurde durch die Eintragung in Vereinsregister am 14. Dezember 1971 (welch eine närrische Zahl…!?) endgültig legitimiert.

Da die über Kreis und Stadt hinaus bekannten Radrennen der Germania in den Fünfziger und Sechziger Jahren nicht mehr fortgesetzt werden konnten, schufen die Germania-Aktiven ein neues Aushängeschild, dass sich natürlich dem karnevalistischen Schwerpunkt des neuen Vereins widmen und die Gesellschaft Germania weiterhin in aller Munde halten sollte: der Narrenburgorden. Von 1971 bis1990 wurde diese Auszeichnung jährlich, als einer der Höhepunkte der ersten Sitzung, an verdiente Karnevalisten, Personen oder Vereinigungen aus dem Klever Raum verliehen.

 Für einen Radsportler ist der Gewinn der Tour de France das größte Ziel. Für einen Karnevalisten gilt gleichermaßen: Ach wär´ ich nur, ein einzig Mal, ein schmucker Prinz im (Klever) Karneval! Für die KG Germania Materborn wurde dieser Traum in der Session 1977/78 zum ersten Mal wahr: Hans Heiden war als Prinz Hans, der Strahlende, der erste Klever Karnevalsprinz aus den Reihen der Gesellschaft – und das pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der Germania!

 Zu dieser Zeit zählten die Parodisten des „Germania-Quartetts“ (Ferdi Fortkort, Karl-Heinz Kamps, Willi Giesen und Werner Gorisen) mit ihren musikalischen Spitzen der Extraklasse zu den Zugpferden einer jeden Germania-Sitzung.

Für die humoristischen Zwerchfellattacken sorgten immer wieder die Büttenredner Willi Kröll, Erich Kools und Willi Willemsen.

 In der Achtziger Jahren eroberten neben zahlreichen Büttenrednern auch der Germania-Nachwuchs die Narrenbühne. 1981 bildeten Frank de Schauwer, Achim Michels und der diesjährige Karnevalsprinz Michael Lukassen erstmals das Germania-Trio und sangen „Mir lasse de Dom in Kölle!“.

 In etwas veränderter Formation stand dieses Trio einige Jahre später mit Clemens Janssen, Dagmar und Frank de Schauwer auf der Bühne und brachten bereits Eigenkompositionen zum Besten.

Mit dem Zugang von Wilfried Müllejans wurde kurze Zeit später das Beltermann-Quartett gegründet. Diese Klever Gesangsgruppe war nicht nur im Karneval weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Mit ihren (Heimat-) Liedern und Gesängen begeisterten sie jahrelang ihr Publikum in Nah und Fern.

 Die Gesellschaft Germania förderte zu dieser Zeit nicht nur den Nachwuchs, wie Markus Kock, sondern brach auch noch ein letztes Tabu: aktive Frauen im Karneval. Mit Brigitte Maas stieg erstmals überhaupt im Klever Karneval eine Frau in die Bütt – und wusste auf Anhieb zu begeistern.

Viele weitere Frauen folgten ihrem Beispiel – egal ob als Büttenrednerinnen wie beispielsweise Wilma Pempelforth, als Playback- oder Fußgruppe im Rosenmontagszug.

Dass sich die Künstler – wie beim Sport auch – ständig weiterentwickelten, zeigt das Beispiel der Turbo-Ladies. Was Ende der Achtziger Jahre als kurze Playback-Show begann, bekam mit der Zeit eine gewisse Eigendynamik und stellt inzwischen fast ein kleines Theaterstück dar.

 Doch damals wie heute sind die Akteure auf der Bühne auf das Team hinter den Kulissen angewiesen. Was früher Techniker wie Jupp Thyssen, Lothar Heiden oder Walter Tomek geleistet haben, dass übernehmen heute Ralf van Beek und Bernd Döhmen, die entsprechend ihrer flotten Arbeitsweise sogar Rennanzüge tragen…!

 1991 war es dann auch in der Vorstandsarbeit Zeit für den Germania-Nachwuchs. Frische Kräfte sollten in die Pedalen treten, die Germania-Räder ans Laufen und die Germania Tour de Humor auf Kurs halten. Die erste große Herausforderung für die Führungs-Crew war der Umzug vom Schweizerhaus in die Mehrzweckhalle Materborn, in der 1993 zum ersten Mal eine Sitzung der Germania Materborn stattfand.

 Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Gesellschaft in der Session 1997/98. Der Vollblutkarnevalist und heutige 1. Vorsitzende Frank de Schauwer feierte als Prinz Frank, der Ha(a)rmonische, eine traumhafte 5. Jahreszeit.

Die immer größer werdende Kartennachfrage zur Germania-Sitzung veranlasste den Vorstand Ende 2000 zu dem Entschluss, kurzfristig eine 2. Sitzung zu terminieren, die erstmals im Jahre 2001 durchgeführt wurde. Dieser Schritt erwies sich schon bald als richtig, denn bereits 2 Jahre nach Einführung der 2. Sitzung ist diese bereits restlos ausverkauft.

Dies verheißt zum 50-jährigen Jubiläum eine hoffentlich leuchtend, helle und klare Karnevals-Session zu werden. Und als besonderes Sahnestückchen freut sich die Germania über Michael Lukassen als Prinz Michael, den Leuchtenden, der in diesem Jahr als dritter Prinz aus den Reihen der Germania Materborn die Klever Narren regieren wird – pünktlich zum Jubiläum!

Und wer jetzt immer noch nicht glaubt, dass der Karnevalsverein Germania Materborn aus einem Radfahrverein gegründet wurde, der betrachte bitte mal genau die Germania-Kluft:

Wie sonst wohl wären die Karnevalisten auf gelbe Jacken gekommen..?!

 

 

 


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Neuigkeiten

Okt 18, 2017
Kategorie: Sitzungen

 

Bestellung der Karten für unsere Prunksitzungen 2018

kartenbestellung.germania@gmail.com

1. Sitzung - Samstag 20. 01. 2018.

2. Sitzung - Samstag 27. 01. 2018.

Karten 2018: 14,00€

Unser Motto: #Germaniadigital

Die Mail sollte folgende Angaben enthalten: Termin, Anzahl der Karten, Vor - und Nachname, Anschrift, Telefon und E-Mail Adresse. Sie bekommen einige Minuten später eine Bestätigung Ihrer Bestellung.

Abholung der bestellten Karten: Freitag 01. 12. von 18.00 bis 20.00 Uhr und Samstag 02. 12. von 11.00 bis 13.00 Uhr im Ratskrug in Materborn.


06. 07. 2017. Spielleitung und Akteure bei der Arbeit....


 

25. 02. 2017. - Wir sind dabei....

Weitere Bilder: Bildergalerie > Rathaussturm 2017

11. 11. 2016. - Karnevalsauftakt im Ratskrug


Gratulation - 25 Jahre Mitglied bei der Germania

Von Li. nach Re. Monika Reintjes, Elke Müllejans und Karin van Beek, da zwischen der 2. Vorsitzende Willi Müllejans.

Weitere Bilder: Bildergalerie > Auftakt 2016.

 

Sep 29, 2017
Kategorie: General

Geburtstage in diesem Monat

03. 10. Yvonne Lentz

08. 10. Jürgen Hackforth

10. 10. Karin van Beek

16. 10. Ralf Schwintjes

16. 10. Melanie Hölscher

23. 10. Silke Hendricks

28. 10. Philipp Convent

31. 10. Anne Strähnz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 




 

 

 

 
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